Erschütterungsmessung bei einer Bodenverbesserung

Visualisierung eines dreiaxialen Schwingungsaufnehmers mit Anschlusskabel in einer Haustürlaibung, dahinter eine Wohnstraße
KI-Visualisierung · Symbolbild

Projektdaten

OrtCreußen
Zeitraum2003
GebäudetypFünf Wohngebäude neben einer Bodenverbesserungsbaustelle

Neben einer Wohnstraße in Creußen wurde der Baugrund mit einem Rüttelverfahren verbessert. Fünf Wohngebäude in 25 bis 80 Metern Entfernung waren betroffen. Die Messung zeigte Werte weit unterhalb der Anhaltswerte der DIN 4150-3.

Ausgangssituation

Für eine Bodenverbesserung war eine Raupe im Rüttel-Stop-Verdichtungsverfahren im Einsatz, nach Angabe der Baufirma mit einer Arbeitsfrequenz von 50 Hertz. Anwohner der umliegenden Einfamilienhäuser nahmen die Erschütterungen wahr. Zu klären war, ob die Gebäude dadurch belastet werden.

Vorgehen

An einem Messtag wurden fünf Messpunkte an fünf Wohngebäuden eingerichtet, mit Abständen zur Baumaschine von rund 25, 40, zweimal 50 und 80 Metern. Die Aufnehmer saßen in Tür- und Fensterlaibungen der jeweils zur Baustelle gerichteten Gebäudeseite.

Ausgewertet wurde für jeden Messpunkt das Zeitsignal der Schwinggeschwindigkeit aller drei Kanäle und zusätzlich die Frequenzanalyse der über die Messzeit gemittelten Schwinggeschwindigkeiten mit einer Auflösung von einem Hertz. Die Frequenz ist hier nicht nebensächlich, denn die zulässigen Anhaltswerte der DIN 4150-3 hängen unmittelbar von ihr ab.

Ergebnis

Der höchste gemessene Spitzenwert lag bei 0,065 Millimetern pro Sekunde. Der Anhaltswert nach DIN 4150-3 für Wohngebäude beträgt im hier maßgeblichen Frequenzbereich von 10 bis 50 Hertz 5 Millimeter pro Sekunde. Die Anhaltswerte waren damit gut eingehalten, der Messwert erreichte rund ein Achtzigstel des zulässigen Werts.

Ergänzend haben wir darauf hingewiesen, dass der Untergrund nicht überall gleich ist. Bei Arbeiten an anderen Stellen kann es wegen Inhomogenitäten im Baugrund zu stärkeren Erschütterungen kommen. Für diesen Fall haben wir eine erneute Messung empfohlen.

Warum das Verfahren den Unterschied macht

Im selben Sommer haben wir mit demselben Messverfahren und demselben Regelwerk eine Baustelle mit Spundwandrammung begleitet. Dort lagen die Spitzenwerte bei rund 1,13 Millimetern pro Sekunde, hier bei 0,065. Das ist ein Unterschied um mehr als den Faktor 17, bei vergleichbarer Bebauung. Wie stark ein Nachbargebäude tatsächlich belastet wird, hängt weniger davon ab, wie laut oder spürbar eine Baustelle wirkt, sondern vom Anregungsverfahren, vom Abstand und vom Baugrund.

Dipl.-Ing. Martin Makowka

Fachlich verantwortlich

Dipl.-Ing. Martin Makowka

Dipl.-Ing. Martin Makowka verfügt über mehr als 30 Jahre Erfahrung im Bereich Bauphysik. Seine Schwerpunkte liegen in bauphysikalischer Beratung, Wärmeschutz, Feuchteschutz und energetischer Gebäudebewertung.

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