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Wärme- und Schallschutz für ein Multiplexkino in Ingolstadt

Rohbau eines langgestreckten Multiplexgebäudes mit eingerüsteter Fassade und weit auskragendem Vordach vor blauem Himmel

Projektdaten

OrtIngolstadt
Zeitraum2004
GebäudetypMultiplexkino mit Gastronomie, Diskothek und Spielothek

Beim Neubau eines Multiplex-Entertainment-Centers in Ingolstadt lag der Wärme- und Schallschutz bei unserem Büro. Über sieben Monate haben wir die Bauausführung mit rund 30 Begehungen begleitet und vor Ort geprüft, ob die geplante Schalltrennung zwischen den Nutzungen auch tatsächlich so gebaut wurde.

Ausgangssituation

In dem Gebäude liegen mindestens zehn Kinosäle, eine Diskothek, eine Spielothek und Gastronomie unter einem Dach. Das sind Nutzungen mit sehr unterschiedlichen Schallpegeln, die unmittelbar aneinandergrenzen. Ein Basslauf aus der Diskothek darf im Kinosaal nebenan nicht hörbar sein, und das gilt auch dann, wenn beide Räume gleichzeitig belegt sind.

Der Rohbau besteht aus Betonfertigteilen auf Streifenfundamenten. Bei dieser Bauweise entscheidet sich der Schallschutz nicht am Bauteil selbst, sondern an seinen Rändern: an Fugen zwischen den Fertigteilen, an Durchdringungen für Lüftung und Leitungen und an der Frage, ob zweischalig geplante Wände auch wirklich getrennt bleiben.

Aufgabe

Unser Büro war für Wärme- und Schallschutz des Gesamtprojekts zuständig. Der Schwerpunkt der Arbeit lag in der Bauphase, denn die schalltechnisch entscheidenden Details entstehen auf der Baustelle und sind nach dem Ausbau nicht mehr zugänglich.

  • Schalltrennung zwischen Kinosälen, Diskothek, Spielothek und Gastronomie
  • Körperschallentkopplung der zweischaligen Bauteile
  • Wärmeschutz der Gebäudehülle, besonders an den Eingangsbereichen
  • Kontrolle der Ausführung während der gesamten Rohbau- und Ausbauphase

Vorgehen

Zwischen Februar und September 2004 haben wir das Bauvorhaben an rund 30 Terminen begangen, vom frühen Rohbau bis zum fertigen Kinosaal mit verlegtem Teppichboden. Jede Begehung wurde fotografisch dokumentiert, zu vielen Aufnahmen wurde direkt vor Ort ein Kommentar zum festgestellten Zustand aufgezeichnet.

Die Feststellungen folgen dabei durchgängig demselben Muster: Bauteil benennen, Ist-Zustand festhalten, notwendige Maßnahme direkt formulieren. Damit ging die Rückmeldung ohne Umweg an die Bauleitung, solange das Bauteil noch offen war.

Worauf es bei den Begehungen ankam

Öffnungen und Durchdringungen

Jede Leitung, die eine trennende Decke oder Wand durchstößt, ist ein möglicher Schallweg. Wiederkehrendes Thema waren deshalb Öffnungen, die vor dem Einbau der Lüftungskanäle mit Mineralfaser auszustopfen waren, nicht ausgespritzte Schalungslöcher in Außenwänden, Rohrdurchführungen zwischen Diskothek und Spielothek und Entrauchungsklappen, deren Restöffnungen geschlossen werden mussten.

Fugen zwischen den Fertigteilen

Bei Betonfertigteilen liegt der schwächste Punkt in der Fuge. Mehrfach fanden wir Zustände vor, in denen die waagrechten Fugen bereits geschlossen, die senkrechten aber noch offen waren, ebenso offene Fugen oberhalb der Lüftungseinlässe und im unteren Wandbereich der Säle.

Körperschallentkopplung

Zweischalige Wände wirken nur, solange die beiden Schalen sich nicht berühren. Ein einzelnes vergessenes Holzstück in der Trennfuge verbindet beide Schalen starr und hebt die Trennung auf. Kontrolliert wurden außerdem elastische Auflager, in Bodenfugen eingelegte Elastomerstreifen, die Anbindung von Stahlträgern an die Außenwand und die Abdichtung der Stützenköpfe.

Trittschall, Wärmebrücken und Raumakustik

Dazu kamen die Trittschalldämmung unter dem Estrich, Wärmebrücken an den Eingängen zu Gastronomie und Kino sowie Mineralfaserplatten, die als raumakustische Verkleidung eingesetzt wurden.

Bilder aus dem Projekt

Was dieses Projekt zeigt

Schallschutz zwischen lauten Nutzungen wird nicht im Nachweis gewonnen, sondern in der Ausführung. Die Fotodokumentation dieses Projekts zeigt über sieben Monate hinweg genau die Stellen, an denen ein rechnerisch guter Aufbau in der Praxis verloren geht: eine offene Fuge, ein vergessenes Holzstück in der Trennfuge, ein nicht verschlossenes Schalungsloch. Genau deshalb gehört zu einem Schallschutzkonzept für ein Gebäude dieser Art die Begleitung auf der Baustelle.

Dipl.-Ing. Martin Makowka

Fachlich verantwortlich

Dipl.-Ing. Martin Makowka

Dipl.-Ing. Martin Makowka verfügt über mehr als 30 Jahre Erfahrung im Bereich Bauphysik. Seine Schwerpunkte liegen in bauphysikalischer Beratung, Wärmeschutz, Feuchteschutz und energetischer Gebäudebewertung.

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